Montag, 26. August 2013

Wahlkampf 2013: Sach mir, wo die Männer sind ...

In den letzten Tagen beschlich mich ein gräßlicher Verdacht. Dass der Wahlkampf in der Landeshauptstadt ohne Männer stattfindet. Habe ich auf den Wahlplakaten, die jetzt mehr und mehr den öffentlichen Raum zieren, einen Mann gesehen? Ich wollte dies genau wissen und fuhr eine signifikante Strecke round about the old city ab, ca. 5 Kilometer. Ich möchte Ihre Geduld nicht strapazieren: 6 Männer habe ich auf 100 Wahlplakaten in meiner Fahrtrichtung gesehen. In der Landeshauptstadt, ich vermute, nicht nur hier, haben die Frauen das Steuer und das Ruder übernommen. Das waren noch Zeiten, als wir von einem Koch und einem Kellner regiert wurden.

Damenwahl: der Hauptkampf, Rumble in the Jungle, wird zwischen den Bundestagsabgeordneten und Kandidatinnen der CDU, Katharina Reiche (19 Plakate) und der SPD, Andrea Wicklein (39 Plakate) ausgetragen:


Wer ist die schönste im ganzen Land?
Die schönste in der Landeshauptstadt und forever young, sie altert auf ihren mirrors schon seit Jahren nicht mehr (vielleicht ein inverses Dorian Gray Syndrom) , ist die, man möge mir die Indiskretion verzeihen, 40jährige Katharina Reiche


Ich verstehe  die Anspielung eines beflissenen Feindes nicht ganz: Soll hier Katharina Reiches Talisman, ein Schmuckkreuz, eine wohl weniger religiöse Kundgebung als eine zarte Anspielung auf das hohe C, aufgehängt werden? Und was hat der Freistaat Bayern damit zu tun?

Die SPD dagegen setzt in ihrer Potsdamer Außenwerbung voll und ganz auf Andrea Wicklein. Die SPD verlässt sich offenbar darauf, dass Andrea Wicklein als eine patente und vernünftige Person rüberkommt, von der man sich von der Wiege bis zur Bahre, sei´s auf der Bank, sei´s bei der Urlaubsplanung oder bei der Pflege auf dem Boulevard der Dämmerung gerne beraten läßt, als eine ehrliche Haut, die ihr Altern im Griff zu haben scheint. Die alte Dame SPD setzt  auf die Vernunft reifer und erwachsener Personen.


Aber wo ist Peer? Kein Peer auf weiter Flur. Dagegen zögert die "Christlich" "Demokratische" Union natürlich nicht, mit der reizenden Ungestalt der Kanzlerin zu wuchern, die das Wellness-Bedürfnis der Deutschen perfekt bedient


Die CDU setzt voll und ganz auf die Kraft der Suggestion. Merkelismus, das ist Mesmerismus dot 2. Schließen Sie Ihre Augen, jetzt haben Sie das Ganze im Blick. Deutschland ist stark. So war es und so ist es und so wird es immer sein. Ihre Arme und Beine werden wohlig schwer. Solarplexus - strahlende strömende Wärme. Oh wie schön ist Merkelland, schöner noch als Panama.

Aufwachen lohnt nicht.

Auch die Grünen versuchen mit der Kanzlerin zu punkten


Die Grünen stellen ein paar komische, möglicherweise kluge Fragen, bei denen man sich offenbar seines Gripses bedienen muss (Spindoctor Langguth von der Agentur "Zum Goldenen Hirschen": "Wissen Sie, Herr Kollege, es ist nicht verboten, dass man manchmal auch ein bisschen nachdenkt."). Klar, hab ich eine Oma. "Ich war´s nicht, Adolf war´s" - also ich hab meine Schuld weder auf Adolf noch andere Andere abgeschoben, ich hab sie immer selbst getragen. Liege ich mit meinen Überlegungen richtig, Du Grüner? - Mehr schöne Fragen von den Grünen


Ich verstehe zwar, worauf der Spindoctor mit "Mensch vor Bank" hinauswill, gerade auch, wenn ein Mitmensch mit Migrationshintergrund mit angeschnittenem Gesicht ins Bild kommt, aber ich würde doch, Du Grüner, dafür plädieren, dass der Mensch weder vor noch hinter der Bank ist, kommt oder steht, sondern auf der Bank sitzt. Ja, Annalena, Du, ich bin auch für eine gerechte Gesellschaft, für was soll ich denn sonst sein, etwa eine Feudal- oder Sklavenhaltergesellschaft? Die Grünen sind offensichtlich eine Partei des juste milieu, wer diese Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet, kann nicht ganz Mensch sein; ich gehöre wohl nicht dazu, auch deshalb, weil ich mich nicht so gerne jovial und selbstverständlich duzen und vergesellschaften lasse.

Kommen wir zu den Splitterparteien. Was machen die Piraten?


Die Piraten haben etwas Programm. Sind das Kandidatinnen? Nicht käuflich, also keine Huren, weder Omi, noch Mutti, noch Kind; wo sind die Männer, wo sind sie geblieben? Offenbar gibt es inzwischen Abstammungslinien ohne sie.


Warum hängt das Mädel eigentlich hier? Das ist mir auch nicht ersichtlich. Ich glaube, wenn sie zum Friseur gehen würde, würden auch mehr Menschen wählen gehen, sie. Warum haben die Mädels bei den Piraten orangerote Haare? Ist dies möglicherweise eine Mutation durch übermäßige Dosen von Carotin, die netzaffine BürgerInnen zu sich nehmen, um ihre Sehkraft zu verbessern?

DIE LINKE.n sind eine sparsame,  grundsolide Partei (drei große und ein kleines Wahlplakat habe ich auf meiner Tour gesehen), keine Mätzchen, keine Fisimatenten, hier gilt Programm. Ein Systemvergleich


Bei den Grünen spätdadaistische Paralogik, bei der man sich auch etwas denken kann, bei DIE LINKE pragmatische sozialpolitische Forderungen, die man teilen kann oder auch nicht.


DIE LINKE.n wissen natürlich, dass Revolution das letzte ist, was die Deutschen in ihrem Merkelschen Biedermeier machen wollen. Die Deutschen wollen sich wohlfühlen. Deshalb sind auch ihre Forderungen nichts als "einfach zeitgemäß". Damit könnte man sich doch anfreunden? - Es gibt sie aber noch, die letzten verstreuten Kader der Revolution,


die jungen frischen GenossInnen der MLPD, für die das Wort "Revolution" keine Vogelscheuche ist, sondern noch Sex-Appeal hat. "GenossIn, wollen wir Revolution machen? Das ist geil - Ächter Sozialismus."

Last but not least komme ich jetzt zu einer Partei, die ein tragischer Fall zu sein scheint - die gute, alte FDP.  Für ihren Spindoctor Armin Reins von der Agentur "Reinsclassen" hat die FDP z.Z. den Charme einer Katakomben-Partei: "Im Augenblick tun sicherlich nicht viele Menschen offen kund, dass sie FDP wählen. Das sagt man eher im privaten Kreis, aber dort umso deutlicher. Und man wählt die FDP dann in der Wahlkabine" (DER SPIEGEL 35/2013, S. 54). - In Potsdam macht die Kandidatin für den Bundestag, Jacqueline Krüger, Wahlkampf mit dem Sprüchlein



Also, was soll das? Jeder kann quatschen, was er will? Jeder kann machen, was er will? Schaffen wir die Strafgesetze ab? Verzichten wir auf einen fundamentalen Common sense? Für einen jungen Menschen wie Jacquelin Krüger mag dieses Sprüchlein noch frisch und frech sein, jedoch ist sie von ihrer "freiheitlichen" Partei nicht gut beraten. - Die FDP hat ein Handicap durch ihren Spitzenkandidaten ("Penetrant.Perfide.Hinterfotzig." "Provinzieller, alter, weißer Mann", DER SPIEGEL a.a.O. -  ein alter Mann, ein weißer Mann, ein Mann aus der Provinz - das ist ein Auslaufmodell, einen, den die Mainstream-PC geradezu abschießen muss), aber sie zeigt ihn - und hier komme ich zu meiner Ausgangsfrage "Sach mir, wo die Männer sind ..." zurück. Also Rainer Brüderle - das Menetekel des weißen Mannes


Huch, ist das nicht ein fieser, ein schmieriger Typ, ein provinzieller, alter, weißer Mann, mit dieser Krawatte, die ausschaut wie eine zur Krawatte gebundene Quietschente, das geht doch gar nicht? Bella Figura, das ist in unserer Berliner Republik ("arm, aber sexy") sowas von reaktionär, sowas von pervers. Ein Typ, der soweit geht, sich vorzustellen, wie  eine gesunde, junge Frau ein Dirndl ausfüllt. Weißer Mann, Deine Zeit ist abgelaufen.

Eine Galerie von Männern, die ich auf meiner Tour gefunden habe, aber das war auch alles, 5 unter 100 Wahlplakaten auf meiner Strecke:


So bitter es ist, wir kommen nicht umhin, die Frage "Sach mir, wo die Blumen sind?" umgehend zu beantworten "... Mädchen pflückten sie geschwind. " Männer sind wohl Auslaufmodelle, lame ducks, auch wenn Norbert Müller auch nach der Wahl noch "sozial" bleiben will und es noch junge Genossen gibt, die den echten Sozialismus echt geil finden. - Aber wo, um Himmels willen, bleibt Peer? Es trifft sich gut, dass ich auf meiner Rückfahrt in der Stadt auf einen SPD-Stand stoße, bemannt und beweibt durch den guten, alten K. und drei SPD-Grazien, und ich sie nach Peer fragen kann, wo er denn bleibt.


Es wäre wohl nicht so klug, Peer zu zeigen. Ich sage, wenn Ihr nicht mit Peer gewinnen wollt, werdet Ihr mit Peer verlieren. - Er wird noch kommen. - Bei meiner Kontrollfahrt am nächsten Tag finde ich, Potztausend, ja das ist doch Peer?


Ich finde es sehr sympathisch, dass Peer Steinbrück uns Bürger mit "Sie" anspricht; aber hat er nicht auch das Handicap eines alten und weißen Mannes und eine gutgebundene Krawatte? Meines Erachtens liegt er mit seiner zentralen Botschaft falsch " SIE HABEN ES IN DER HAND!" - Ich glaube das wollen die Deutschen nicht, die wollen in unserem Merkelschen Biedermeier, dass man ES ihnen abnimmt.

Sie fragen, was ich denn wolle? Ich muss gestehen, dass mir Angela Merkel gewaltig auf den Senkel geht, diese amorphe Gestalt, die aus den Tränen und Träumen eines Lovecraft entstanden sein könnte, ein Wesen aus einer anderen Welt in jeder Hinsicht, das die Deutschen in ihrer Matrix einlullt. Sind die Piraten und die Grünen ernst zu nehmen? Die Grünen sind  juste milieu, der Stallgeruch der Sozialdemokraten ist mir etwas zu muffig (außerdem wissen sie nicht mehr anzugreifen). Also, was dann? Ich würde CDU-CSU-SPD-FDP-Grüne-Piraten in eine Erholungskur (oder in eine Fischmehlfabrik) schicken und für eine Lagerschlacht zwischen DIE LINKE und der Alternative für Deutschland plädieren:


Sie werden mir jetzt Nostalgie, Sehnsucht nach klaren Verhältnissen und Dezisionismus, Wunsch nach Entschiedenheit und Entschlossenheit, vorwerfen können. In der Tat: Heute haben wir keine Wahl, dafür noch und nöcher Wahlen. Es kann mein Zucken in der Matrix sein. Ist da ein Ausweg?

Ich wette, es wird zu einer großen Koalition kommen. Möglicherweise wird dann die Alternative für Deutschland erstarken.




1 Kommentar:

Christoph B. Mitgezwitschert hat gesagt…

Zur Männerfrage: Wir haben noch mit diesem jungen Herren zum Thema Bildung plakatiert.

http://landesportal.piratenpartei-sh.de/wp-content/blogs.dir/1/files/plakate_btw13/plakat_bildung.jpg

Die rechtspopulistische AfD sollte sich am besten niemand in den Bundestag wünschen.