Dienstag, 6. Dezember 2011

Ist Heribert Prantl ein Antisemit?

Ist Heribert Prantl, der aus dem Blickwinkel des Neuen Testaments den Finanzkapitalismus anklagt

Heribert Prantl, Anklage gegen den Finanzkapitalismus, Gott liebt die Zornigen

ein Antisemit im Lichte der Betrachtungen Mischa Brumliks über den Zusammenhang zwischen Finanzkrisen und Antisemitismus?

Micha Brumlik, Wie man abstrakte Verhältnisse durch Personalisierung und Paranoisierung erklärt, Nachsicht mit den Frühsozialisten?

Was mich etwas ins Grübeln bringt,  ist, wenn Brumlik seine Betrachtungen damit abschließt

"Bei alldem geht eine Einsicht des späten Marx verloren, dass das "Kapital" mehr als nur die Wirtschaftsform "Kapitalismus" ist, nämlich ein grundlegendes soziales Verhältnis, das in der widersprüchlichen "Einheit von Aneignungs- und Verwertungsprozess" besteht."

Ist Kapital, dieses grundlegende soziale Verhältnis in der Einheit von Aneignungs- und Verwertungsprozessen nur noch ein abstraktes Verhältnis ohne personale soziale Beziehungen? Wer sind die Entscheider, wer sind die shareholder, sind das abstrakte Kräfte?

Kommentare:

georgi hat gesagt…

Brumlik hat in gewissen Teilen recht und zu anderen Teilen macht er sich die Sache etwas einfach.

Die Personalisierung der Krise bei den "Bänkstern" oder früher bei "den Rothschilds" ist tatsächlich kein vernünftiger Ansatz, die Krise zu verstehen und zu bewältigen. Derartige Kritik ist nicht einmal antikapitalistisch, wenn lediglich "gute" "bösen" Kapitalisten gegenübergestellt werden. Es ist sogar ziemlich apologetisch, den Kapitalismus verbessern zu wollen, dem "bösen" Kapitalismus die "gute" Marktwirtschaft gegenüberzustellen. Das läuft nämlich in nichts anderes hinaus, dasselbe beschissene System neu zu errichten, das im Graben gelandet ist, meist noch etwas verschärfter oder dümmer, z.B. Kapitalismus ohne Staat oder ohne Sozialstaat, ohne Zinsen u.ä. Daß Kapitalismus ohne Zinsen, Staat und Sozialstatt nicht zu haben ist, leuchtet diesen Scheinrevolutionären nicht ein.

Andererseits stellt er den Zusammenhang zwischen Finanzkrise und Antisemitismus nicht richtig dar. Brumlik und seine Freunde können sich nicht von Moishe Postone lösen. Für mich begleitet der Antisemitismus völkische Ideologie, die hier in Deutschland schon seit längerer Zeit ihre Vorherrschaft eingebüßt hat.

Oscar Mercator hat gesagt…

@ georgi

Sie haben sich intensiver mit der Materie (Kapital, Zins etc) beschäftigt als ich. Ich stimme Ihnen zu, dass eine simple Personalisierung kontraproduktiv ist. Gestolpert bin ich lediglich über eine möglicherweise mißglückte Formulierung Brumliks, über die Gleichung Kapital = grundlegende soziale Beziehung = Einheit von Aneignung und Verwertung = abstrakte Verhältnisse. Nun man spricht heute über die unidentifizierbaren Kräfte des Marktes, ist es denn gänzlich obsolet, über Akteure und Lobbies zu sprechen?